Asuka-Zeit

Die Asuka-Zeit beginnt im Jahr 538 mit der offiziellen Einführung des Buddhismus in Japan1). Allerdings findet sich auch häufig eine Zusammenfassung von Kofun- und Asukazeit, da die für die Kofun-Zeit charakteristischen Gräber auch noch in der Asuka-Zeit angelegt wurden.

Der Name leitet sich ab von der Stadt Asuka-kyō, in der sich zu dieser Zeit die kaiserliche Residenz befand. Die Macht des Kaisers wurde durch die starke Stellung des Adels immer mehr geschwächt. Der Verlust der koreanischen Gebiete im Jahr 562 führte zu Spannungen im Reich selbst und schließlich zu immer lauteren Forderungen nach Reformen.

Diesen Forderungen folgte schließlich der Regent Shōtoku-taishi2) (574-622) mit der Einführung der ersten schriftlichen Verfassung3), den „17 Artikeln“.

Shōtoku-taishi herrschte mit der Unterstützung der Familie Soga, berufen als Regent war er durch die Kaiserin Suiko (554-628), die seit 592 auf Veranlassung der Soga als Kaiserin regierte. Er sorgte während seiner Amtszeit für die weitere Verbreitung des Buddhismus im Reich und gründete buddhistische Tempel. Die Veröffentlichung der „17 Artikel“ Shōtoku-taishis wird auf das Jahr 604 datiert. Gefordert wurde darin neben der Verehrung Buddhas auch die Anerkennung der absoluten Herrschaft des Tennō. Damit sollte die Macht des Hochadels eingeschränkt werden, die Ämter bei Hofe wurden nach chinesischem Vorbild umorganisiert und sollten nicht mehr durch Erbe erlangt werden können4).

Unter der Herrschaft Shōtoku-taishis wurden die kulturellen Beziehungen zu China weiter ausgebaut. Japan sandte Gruppen von Gelehrten zum Studium der dortigen Religion und Wissenschaften ins Reich der Mitte, auch im Hinblick auf den Staatsaufbau wollte man sich an China orientieren.

Nach Shōtoku-taishis Tod im Jahr 622 kam es zu jahrelangen Machtkämpfen, an deren Ende die Familie Soga gestürzt wurde, und Nakatomi no Kamatari5) (614-669) unter dem Tennō Kōtoku und seinem Nachfolger Prinz Nakanoōe6) die Macht erlangte und mit politischen Reformen nach chinesischem Vorbild begann.

Höhere Beamte mussten seit 645 dem Kaiser als absolutem Herrscher einen Treueid leisten, sämtlicher Grund- und Bodenbesitz war ausschließlich Eigentum des Tennō und konnte nur noch als Lehen an die Fürsten vergeben werden, zudem wurde das chinesische System der Jahreszählung übernommen. Hinzu kam die Einführung eines neuen Steuerwesens und die Errichtung einer neuen Hauptstadt, nämlich Naniwa, das heutige Osaka7).

Ziel dieser unter dem Namen Taika-Reformen8) bekannt gewordenen Neuordnungen des Jahres 6459) waren die Stärkung der kaiserlichen Macht und die Zentralisierung des Reiches. Zwar war der Adel mit der Enteignung keineswegs einverstanden, wurde aber dadurch besänftigt, dass man den ehemaligen Grundbesitzern hohe Ämter zusicherte und die Verwaltung der Güter faktisch weiterhin ihnen oblag. Allerdings waren sie nun dem Tennō direkt verantwortlich.

In den folgenden Jahren und Jahrzehnten sollte sich aber zunehmend zeigen, dass die Zentralregierung des Tennō nicht stark genug war, die Forderungen der Taika-Reform auch tatsächlich im ganzen Reich durchzusetzen. Zwar versuchten die Nachfolger Tenji-tennōs durch verschiedene Gesetze und Vorschriften die Macht des Hochadels zu brechen, wirklich gelungen ist es jedoch keinem von ihnen.

Zwar hatte es bereits im Staat von Yamato eine Art Tennō gegeben, ein (größere Gebiete umfassendes) japanisches Kaisertum bildete sich aber erst im Laufe des 7. Jahrhunderts heraus. Die Eigenbezeichnung des japanischen Herrschers als Kaiser (unter dem chinesischen Begriff „tianzhi“ ist erstmals 607 für Kaiserin Suiko (554-628) belegt. Ein umfassendes Konzept der Kaiserwürde unter dem Begriff Tennō findet sich erst bei Tenmu (reg. 672-686). Dieses Konzept enthält auch sakrale Elemente, was der Bezug zum Himmel („Himmlischer Herrscher“) deutlich macht.10)

Eines der letzten bedeutenden Ereignisse der Asuka-Zeit ist die Kodifizierung der Gesetze. Diese Gesetzessammlung wurde unter dem Namen Taihō-Kodex bekannt, benannt nach der Jahresdevise Taihō von 701 bis 70311), auch wenn sie erst später und in leicht veränderter Form zur Anwendung kam. Im Taihō-Kodex ist unter anderem die Aufteilung der Geschäftsbereiche der verschiedenen Ministerien geregelt, sowie die Aufteilung des Reiches in Provinzen und die Aufgaben der Provinzgouverneure12). Aber wie es auch bei den Taika-Reformen der Fall war, konnten die im Kodex festgelegten Bestimmungen niemals im ganzen Reich verbindlich durchgesetzt werden.

Im Jahr 707 trat Kaiserin Gemmei-tennō (661-721) nach dem Tod ihres Sohnes Mommu-tennō die Herrschaft an und befahl im Jahr 708 die Vorbereitung für die Verlegung der Hauptstadt. Gemmei-tennō hatte bereits zuvor die Einrichtung eines Münzamtes bestimmt, unter ihrer Herrschaft wurden sowohl Kupfer- als auch Silbermünzen in Umlauf gebracht.

1) Manchmal findet sich in der Literatur auch eine Datierung auf das Jahr 552.
2) Der Namenszusatz Taishi steht für Kronprinz.
3) Zwar ist umstritten, inwieweit die Reformen tatsächlich von Shōtoku stammen, aber traditionell werden sie ihm zugerechnet.
4) Vgl. Dettmer: Grundzüge, S.22ff
5) Ihm wurde später von tennō der Familienname Fujiwara verliehen, damit ist er der Ahnherr der Fujiwara-Familie.
6) Der spätere Tennō Tenji (626-672).
7) Die Verlegung der Hauptstadt war die übliche Handlungsweise zum Ende einer Herrschaftszeit, z.B. beim Tod eines Tennō.
8) „Reformen der großen Wende“, jap. taika no kaishin
9) Reform-Edikt (nach Dettmer) S. 27 erlassen am 22.1.646.
10) Krieger - Geschichte Asiens, S. 196.
11) Vgl. Dettmer: Grundzüge, S. 30.
12) Vgl. Dettmer: Grundzüge, S .33.