Inhaltsverzeichnis

Lexikon

A

Ainu

Die Ainu (früher auch Ezo oder Kumaso, evtl. identisch mit den in japanischen Quellen erwähnten Emishi) sind ein auf der Insel Hokkaidō lebender Volksstamm mit eigener Kultur und Sprache. Im 19. Jahrhundert wurde Hokkaidō zunehmend von Japanern besiedelt, die Ainu dabei aus vielen Gebieten vertrieben, sodass es für viele von ihnen immer schwerer wurde, ihren Lebensunterhalt (traditionell durch Jagd und Fischfang) zu sichern. Im Jahr 1899 wurde von der japanischen Regierung ein Gesetz zum Schutz der Ainu erlassen, das jedoch ihre Kultur und damit verbundene Lebensweise nicht berücksichtigte.

B

Bakufu

Bakufu (deutsch: „Zeltregierung“) ist die Bezeichnung für die Regierungsform des Shogunats (Militärregierung bzw. Militärregime) zwischen dem 12. und dem 19. Jahrhundert. Die herrschenden Familien (zunächst die Familie Minamoto, später Ashikaga und Tokugawa) stellten den Shogun, der mit Vollmacht des Tennō (zeitweise auch unter dessen faktischer Entmachtung) herrschte.

Buddhismus

Der um 500 v. Chr. in Indien als eine Art Reformbewegung aus dem Hinduismus entstandene Buddhismus fand im Lauf der Zeit eine weite Verbreitung in vielen Ländern Asiens. In Japan wurde er im 6. Jahrhundert n. Chr. im Zuge der Reichsreformen nach chinesischem Vorbild offiziell eingeführt. Allerdings blieb zumindest beim einfachen Volk der Shintō weiterhin verbreitet, bis heute existieren beide Religionen nebeneinander. Der Buddhismus geht zurück auf die Lehren des Buddha Siddharta Gautama, der als erster Mensch „zur vollen Einsicht“ gelangt sein soll (der Begriff Buddha wird sehr unterschiedlich übersetzt, z.B. „der Erweckte“ oder „der Erleuchtete“). Innerhalb der buddhistischen Religion gibt es sehr unterschiedliche Schulen, z.B. den Mahayana-Buddhismus (übersetzt als „großes Fahrzeug“), der sich im Gegensatz zum Theravada (auch als Hinayana-Buddhismus („kleines Fahrzeug“) bezeichnet)1) nicht nur an die Mitglieder der buddhistischen Lehrinstitutionen, sondern auch an Laien richtete. Generell geht es in den buddhistischen Lehren um die individuelle Weiterentwicklung, das Endziel („Nirvana“) ist die Befreiung des einzelnen Menschen von allen irdischen Zwängen. Je nach Schule ist der Weg dorthin durch intellektuelle Einsicht oder eher durch gefühlsbetonte Religiosität mit äußerlich sichtbaren Riten (z.B. im Tantrayana) geprägt. Das Endziel ist jedoch bei allen Schulen das Gleiche: Die Loslösung von der irdischen Welt und dem eigenen Ich.

Bushi

Bushido

Der Begriff Bushido (deutsch: „Weg des Kriegers“) steht für den Ehrenkodex bzw. das moralische System, dem jeder Samurai sein Leben unterordnen musste. Hierzu gehörten vor allem die Tugenden Treue (dem Herrn gegenüber), Pflichtbewusstsein und Mut. Mit eingeschlossen waren Aufrichtigkeit, Bedürfnislosigkeit, Anstand, Höflichkeit und Hilfsbereitschaft gegenüber Schwächeren. Auch viele weitere Idealvorstellungen der Samurai, wie z.B. keinen Schmerz zu zeigen, uneingechränkte Ehrfurcht sozial Höherstehenden gegenüber sind letztendlich durch diesen Ehrenkodex begründet.

C

D

Daimyō

Daimyō (deutsch: „Großer Name“) waren die Feudalherren im japanischen Reich. Die Kriterien für die Zugehörigkeit zu dieser Gruppe änderte sich im Lauf der Zeit: zunächst wurden nur Provinzstatthalter und Burgherren als Daimyō gerechnet, in der Edo-Zeit (Tokugawa-Shogunat) allgemein Angehörige des Schwertadels (Samurai), soweit sie über ein festgelegtes Mindesteinkommen verfügten.

Daitō

Daitō (langes Schwert) sind Schwerter mit mindestens 2 Shaku 尺 Klingenlänge (ca. 60cm). Zu den Daitō gehören Katana, Nodachi und Tachi.

E

Edo

Edo (das heutige Tōkyō) war zwischen 1603 und 1868 (Edo-Zeit) der Sitz des Tokugawa-Shogunats und damit das politische Zentrum Japans. Sitz des Tennō und damit eigentliche Hauptstadt blieb jedoch bis zum Untergang des Tokugawa-Shogunats Kyōto. Im Jahr 1868 erfolgte die Umbenennung Edos zu Tōkyō und die Erhebung zu Hauptstadt und Sitz des Tennō.

Edo-Zeit

Die sogenannte Edo-Zeit umfasst die Jahre des Tokugawa-Shogunats (1603-1868), das seinen Hauptsitz in der Stadt Edo (dem heutigen Tōkyō) hatte.

Emishi

Siehe Ainu.

Ezo

Ezo ist ein älterer Name für einen Volksstamm (siehe Ainu) und eine der japanischen Inseln (siehe Hokkaidō).

F

G

H

Hagakure

Das Hagakure (deutsch: „Hinter den Blättern“) ist eine Sammlung von Texten zum Bushido, dem Ehrenkodex der Samurai. Entstanden ist es um 1715 herum, der Originaltext ist nicht erhalten. Die Texte bestehen aus einer Sammlung von Lektionen und Beschreibungen zum Alltag des Samurai und liefern sowohl philosophie Hintergründe als auch politische und militärische Sichtweisen auf das Leben der Samurai und ihren Ehrenkodex.

Harakiri

Der Begriff Harakiri wird hauptsächlich in westlichen Ländern für den ritualisierten Suizid der Samurai verwendet, in Japan ist jedoch der Begriff Seppuku die übliche Bezeichnung. Siehe Seppuku.

Honshū

Honshū (früher auch Hondo) ist die größte der vier japanischen Hauptinseln, auf der sich auch die wichtigsten Städte befanden. Das waren neben Edo (dem heutigen Tokio) vor allem die zeitweiligen Hauptstädte Heijo (Nara), Heian (Kyōto) und Kamakura.

Hokkaidō

Hokkaidō (früher Ezo) ist die nördlichste der vier Hauptinseln Japans und die Heimat der Ainu (früher auch Ezo; evtl. auch identisch mit den in japanischen Quellen erwähnten Emishi), einem im nördlichen Japan lebenden Volksstamm mit eigener Kultur und Sprache. Von den Japanern wurde Hokkaidō relativ spät besiedelt, über lange Zeit gab es auf Hokkaidō lediglich japanische Handelsposten. Die Umbenennung der Insel in Hokkaidō („Nordmeerregion“) erfolgte im Jahr 1869.

I

J

Junshi

Unter Junshi versteht man den Treuebeweis eines Gefolgsmannes beim Tod seines Herrn. Die Treue des Gefolgsmannes wurde dadurch bewiesen, dass dieser seinem Herrn durch Seppuku in den Tod folgte (jun - „in den Tod folgen“, „sich opfern“).

K

Kami

Kami sind die Gottheiten des Shintō, wobei auch Naturgeister und die Seelen der Verstorbenen unter diesen Begriff fallen.

Kamikaze

Kamikaze (deutsch: „Göttlicher Wind“) wird heute zwar häufig im Zusammenhang mit dem 2. Weltkrieg („Kamikaze-Piloten“) verwendet, bezieht sich aber ursprünglich auf die Zeit der Mongolenstürme unter Kublai Khan im 13. Jahrhundert. Der Überlieferung nach wurden die mongolischen Schiffe zwei Mal bei einem Invasionsversuch vor der japanischen Küste von Taifunen überrascht und mussten die Eroberung Japans aufgrund der mit dem Sturm verbundenen Verluste an Schiffen und Männern aufgeben.

Katana

Ein Katana ist ein leicht gebogenes japanisches Langschwert mit einfacher Schneide. Es wird sowohl als Einhand- als auch als Zweihandwaffe verwendet.

Kojiki

Das Kojiki ist ein japanisches Geschichtswerk, das von der mythologischen Weltentstehung bis zum 7. Jh. n. Chr. reicht. Geschrieben wurde das Kojiki zu Beginn des 8. Jh. in altjapanischer Sprache.

Kumaso

Siehe Ainu.

Kyūshū

Kyūshū (früher auch Kyūkoku) ist eine der vier Hauptinseln Japans.

L

M

N

Nihonshoki

Das Nihonshoki ist ein japanisches Geschichtswerk aus dem 8. Jh. n. Chr. und reicht von der mythologischen Weltentstehung bis zum Beginn des 8. Jahrhunderts. Das Nihonshoki ist in chinesischer Sprache geschrieben und orientiert sich stark an chinesischen Vorbildern.

O

P

Q

R

Rōnin

Der Begriff Rōnin (deutsch: Wellenmann) bezeichnet einen herrenlosen Samurai. Der Status des Rōnin galt als unehrenhaft und bedeutete einen klaren sozialen Abstieg, weshalb nicht wenige Samurai beim Tod ihres Herrn (Daimyō) diesem durch Seppuku in den Tod folgten. Neben dem Tod des Herrn führte auch die Verstoßung durch diesen dazu, dass ein Samurai zum Rōnin wurde.

S

Seppuku

Seppuku (in westlichen Ländern meist als Harakiri bezeichnet) ist eine Form ritualisierten Suizids durch einen Schnitt in den Bauch und darauf folgende Enthauptung durch einen Sekundanten. Diese Art des Suizids war weitgehend auf die japanische Kriegerkaste (Samurai) beschränkt und wurde mit dem Ende des Tokugawa-Shogunats 1868 offiziell verboten. Seppuku diente zur Wiederherstellung der Familienehre nach einem schwerwiegenden Fehler und Gesichtsverlust des Samurai, konnte aber auch als Strafe verhängt werden. Beim Tod des Herrn (Daimyō) begingen manche Samurai Suizid, um nicht als Rōnin (herrenloser Samurai) leben zu müssen und ihre Treue dem toten Herrn gegenüber zu beweisen (junshi). Zudem galt Seppuku als eine legitime Form des Protests gegen einen Herrn, den der Samurai im Unrecht wähnte (kanshi).

Shikoku

Shikoku ist die kleinste der vier Hauptinseln Japans.

Shōgun

Der Titel Shōgun (voller Titel Seii-Tai Shōgun; deutsch: „Oberbefehlshaber zur Niederwerfung der Barbaren“)2) wurde 1192 nach dem Sieg der Familie Minamoto über die Taira vom Tennō an Minamoto no Yoritomo verliehen. In der Folgezeit wuchsen Macht und Ansehen des Titelinhabers schnell, bald war der Shōgun der mächtigste Mann im Staat. Da das Amt des Shōguns erblich war, wurde diese Machtposition über viele Jahre hinweg von derselben Familie besetzt. Zunächst herrschten die Minamoto bzw. Hōjō („Kamakura-Shōgunat“ nach dem Hauptsitz der Familie), nach einer kurzen Phase der Restauration folgten die Muromachi bzw. Ashikaga zwischen 1338 und 1573, dann ab 1603 bis zur Meiji-Restauration im Jahr 1867 die Tokugawa (Edo-Shōgunat nach dem Hauptsitz, dem heutigen Tōkyō). Im engeren Sinn meinte der Begriff des Shōguns bzw. Shōgunats nur den Amtsinhaber selbst, zur Regierungsstruktur siehe Bakufu.

T

Taika-Reformen

Taiko no kaishin (deutsch: Reformen der großen Wende) war eine grundlegende Neuordnung des japanischen Staates im Jahre 645 nach chinesischem Vorbild mit dem Ziel der Stärkung des Tennō, in deren Folge sämtlicher Grund und Boden Eigentum in die Hände des Kaisers überging.

U

V

W

X

Y

Z

1) Die Bezeichnung Hinayana wird in erster Linie von Anhängern des Mahayana benutzt und häufig als abwertend empfunden
2) auch übersetzt als: Oberbefehlshaber/General und Unterdrücker der Barbaren